100 Jahre Schwebefähre

Die Schwebefähre – ein unvergleichliches Unikum

Auf der „Straße der Traumschiffe“ passiert die „Seabourn Sojourn“ die Hochbrücke
Auf der „Straße der Traumschiffe“ passiert die „Seabourn Sojourn“ die Hochbrücke
Hochbrücke mit Schwebefähre als Ziellinie beim alljährlichen E.ON Hanse Cup-Ruderrennen
Hochbrücke mit Schwebefähre als Ziellinie beim alljährlichen E.ON Hanse Cup-Ruderrennen

Fast so lange wie die Eisenbahnhochbrücke dient die Rendsburger Schwebefähre dem Personen- und Gütertransport über den Nord-Ostsee-Kanal, ehemals Kaiser-Wilhelm-Kanal. Am 2. Dezember 1913, im gleichen Jahr wie die Hochbrücke, wurde sie in Betrieb genommen. Doch sie ist konstruiert als „bewegliche Brücke“ über den 120 m breiten Wasserweg. Und nicht, wie anfangs die Hochbrücke, erschien sie den Rendsburgern als „fremdartiges Monstrum“, sie hatte von Beginn an alle Sympathien für sich. Mittlerweile ist sie, ebenfalls seit 1988 unter Denkmalschutz, wie die sie tragende Brücke zum Tourismusmagneten geworden. Dazu hat nicht zuletzt ein seit dem Jahr 2000 über die Landesgrenzen hinaus bekanntes Sportereignis beigetragen, das E.ON Hanse Cup Ruderrennen, dem beide Anlagen als Ziellinie dienen.

Die Schwebefähre ist mit der Hochbrücke sozusagen ein Ganzes: Ihr Entstehen verdankt sie der Brücke. Denn „für den verhältnismäßig geringen Verkehr zwischen Rendsburg und Osterrönfeld nebst Hinterland wäre selbstverständlich ein derartiges Bauwerk niemals in Frage gekommen, wenn nicht die einmal vorhandene Hochbrücke den Gedanken an eine Schwebefähre recht nahe gelegt hätte“, wie die Rendsburger Zeitung am 20. Juni 1913 konstatierte. Eine unter der Brücke angehängte Fähre war die ideale Lösung, weil so die Kanalüberquerung mit wenig Mehraufwand an Material und Arbeit zu verwirklichen war. Und eine Schwebefähre ließ sich, anders als ein Fährschiff, weitgehend unabhängig von den Witterungsverhältnissen, insbesondere vom Eisgang, betreiben.

Bereits beim Bau der Kanalbrücke konnten das Tragwerk und die Gleise für den Fahrwagen der Schwebefähre angebracht werden. Die Konstruktion ist einfach: Der Fahrwagen stützt sich auf vier Paar Räder, zwei Paar Räder laufen auf der rechten, die anderen auf der linken Laufschiene in Höhe des Untergurts der Brücke. Am beidseitig mit Puffern versehenen oberen Fahrwagen hängt drei Meter über dem mittleren Wasserspiegel des Kanals die 14 mal 6 m große Fahrbühne an insgesamt 12 Stahlseilen. Ursprünglich war gerade Platz für vier zweispännige Fuhrwerke, das damals gebräuchlichste Transportmittel. Heute finden vier Autos oder ca. 100 Personen auf der Fähre einschließlich der Fußsteige Platz. Der Antrieb der Fähre erfolgt heute über eine Schleifleitung durch vier Elektromotoren zu je 15,4 kW/21 PS.

Die Hängepartie mit der „Eisernen Lady“ auf dem heute insgesamt 135 m langen Weg zum anderen Ufer dauert bei einer Fahrgeschwindigkeit von ca. 5 km pro Stunde etwa 1,5 Minuten. Es gilt noch der erste Fahrplan: Die Überfahrt erfolgt seit Inbetriebnahme der Fähre zu jeder Viertelstunde, soweit es der Schiffsverkehr erlaubt. Der Fährbetrieb beginnt um 5 Uhr morgens und endet im Sommer um 23 Uhr, im Winter um 22 Uhr.

Die Überfahrt ist wie bei allen Kanalfähren kostenlos. Die gesamte Verkehrslenkung einschließlich Ampelschaltung und Bedienung der Schranken erfolgt seit 2005 durch nur einen Maschinisten mit entsprechenden Patenten. Auf beiden Seiten des Kanals wurden beim Bau der Schwebefähre hübsche Wartehallen errichtet. Im nördlich gelegenen Häuschen gibt eine Dokumentationsschau Fahrgästen und interessierten Besuchern bebilderte Informationen über wichtige Daten der Hochbrücke und der Schwebefähre. Danach legt die Fähre rd. 6000 km im Jahr zurück. Über 540 000 km hatte sie zum 95-jährigen Jubiläum hinter sich gebracht und damit den Erdball mehr als ein Dutzend Mal umrundet.

Instandhalten, Renovieren, vor allem wegen wetterbedingter Korrosion, und organisatorische Verbesserungen sind die Aufgaben, ohne die der fast pausenlose Einsatz der Schwebefähre nicht aufrecht zu erhalten ist. Wegen des relativ hohen Unterhaltungsaufwands wurde auch schon vorgeschlagen, den Schwebefährenverkehr ganz einzustellen, und es gab Abrisspläne. Doch die Proteste und die Hinweise auf den Nutzen dieser bequemen Verbindung über den Kanal haben solche Pläne immer wieder durchkreuzt. Seitdem die Schwebefähre, wie die Hochbrücke, unter Denkmalschutz steht, sind die Sorgen über eine baldige Demontage nicht mehr akut.

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