Wie alles begann

Ein Kanal „zur Stärkung der vaterländischen Seemacht“

S.M.S. „Stuttgart“ passiert als eines der ersten Kriegsschiffe die fast fertige Hochbrücke
S.M.S. „Stuttgart“ passiert als eines der ersten Kriegsschiffe die fast fertige Hochbrücke

Eine Besonderheit unter den repräsentativen technischen Denkmälern Schleswig-Holsteins bilden landestypische Kanäle und Brücken, deren bedeutendste der Nord-Ostsee-Kanal und die über ihn hinweg führenden Brücken sind. Die Rendsburger Hochbrücke, als genietetes Stahlfachwerk ausgebildet, ist mit der angehängten Schwebefähre eines der spektakulärsten Bauwerke dieser Art. Sie wurde 18 Jahre nach Fertigstellung des Nord-Ostsee-Kanals (gebaut von 1887 bis 1895) errichtet, der heute, gemessen an der Anzahl der Schiffe, die meistbefahrene künstliche Wasserstraße der Welt ist. Wie schon in der Bauzeit gehören Brücke und Schwebefähre noch heute zu den touristischen Hauptanziehungspunkten der Region.

Wie kam es zum Bau dieser Brückenanlage? Ein kurzer historischer Rückblick soll das verdeutlichen. Ein erstes Ergebnis vieler Pläne und Vorschläge, Nord- und Ostsee durch eine Wasserstraße miteinander zu verbinden, ist der Schleswig-Holsteinische Kanal oder Eiderkanal, der von 1777-1784 zwischen Kiel und Rendsburg erbaut wurde. Die Schiffbarkeit der Eider ermöglichte die Verlängerung dieses Wasserweges bis hin zur Nordsee. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts zeigte sich jedoch, dass Eider und Eiderkanal den Ansprüchen der größer und schneller gewordenen Schiffe nicht mehr genügten.

Bei der Planung eines breiteren und tieferen Kanals durch Schleswig-Holstein spielten militär-strategische Überlegungen eine ausschlaggebende Rolle. Erinnert sei an die politischen und militärischen Rivalitäten unter den führenden europäischen Mächten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Sie gipfelten in einer Ausweitung der preußischen und der englischen Flotte. Aus preußischer Sicht konnte durch den Kanalbau erreicht werden, dass die Flotte vom Kriegshafen Kiel aus zugleich in Nord- und Ostsee präsent war und nicht Gefahr lief, im engen Skagerrak an der Durchfahrt behindert zu werden. Für Wilhelm I., damals noch König von Preußen, und Reichskanzler von Bismarck waren dies wesentliche Argumente für den Kanalbau. Wirtschaftskreise dagegen plädierten vor allem aus handelspolitischen Interessen für einen Kanal, da er den Schiffen den langen Umweg um Skagen herum ersparte.

Nach einigem Hin und Her über die Trassenführung und Einbeziehen der an den Bau geknüpften Vorstellungen der Admiralität wurde im Juni 1887 mit dem Bau des Kanals „zur Stärkung der vaterländischen Seemacht“ begonnen. Seine Länge war von Kiel bis zur Elbmündung bei Brunsbüttel auf 98 km veranschlagt, seine Wasserspiegelbreite auf 66,7 m, die Sohlenbreite auf 22 m und die Tiefe auf 9 m. Die pompös gestaltete Eröffnung des Kanals nach achtjähriger Bauzeit am 21. Juni 1895 in Kiel-Holtenau war Kaiser Wilhelm II. vorbehalten. Zu Ehren seines Großvaters Wilhelm I. taufte er die neue Schifffahrtsstraße auf den Namen „Kaiser-Wilhelm-Kanal“.

Schon wenige Jahre nach der Inbetriebnahme erwies sich der neue Wasserweg in seinen Abmessungen als zu klein. Das galt insbesondere für die im Zuge eines Wettrüstens immer riesiger gewordenen Schlachtschiffe. Deshalb wurden von 1907 bis 1914, bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges, Verbreiterungsarbeiten vorgenommen, und zwar auf 102,50 m Wasserspiegelbreite und die doppelte Sohlenbreite von 44 m. Die Kanaltiefe betrug nach dem Ausbaggern 11 m.

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