Kanalverbreiterung verlangt neue Brücken

Kanalverbreiterung verlangt neue Brücken

Diese erste Erweiterung des Kanals – eine zweite wurde in den Jahren von 1966 bis 1998 auf 162 m Wasserspiegel- und 90 m Sohlenbreite vorgenommen – brachte nahe liegend Konsequenzen für die Brückenbauten mit sich. In Rendsburg hatten bis dahin zwei jeweils eingleisige Drehbrücken für die Überführung des Eisenbahnverkehrs der wichtigen Nord-Süd-Verbindung über den Kanal gesorgt. Mit der Kanalverbreiterung mussten neue Lösungen für den Kanalübergang gefunden werden. Das ständige Öffnen und Schließen der Drehbrücken war ohnehin für die Schiffspassage, die wegen des Vorfahrtrechts der Bahn oft lange Wartezeiten in Kauf nehmen musste, mehr und mehr zum Hindernis geworden, was vor allem im Kriegsfall von entscheidender Bedeutung hätte werden können. Deshalb war nicht daran gedacht, die alten Brücken zu ersetzen. Vielmehr gelangte die Reichsregierung zu dem Beschluss, eine zweigleisige Eisenbahnhochbrücke bauen zu lassen. Die Schiffe und die bislang bevorrechtigte Bahn konnten nun unabhängig voneinander verkehren.

Als Bauherr des Kaiser-Wilhelm-Kanals musste sich das Deutsche Reich verpflichten, den reibungslosen Übergang über den Kanal zu gewährleisten. Das hieß insbesondere, die unterbrochenen wichtigen Verbindungswege wiederherzustellen durch Brücken und Fähren. Alle bis heute geschaffenen 13 Personen- und Fahrzeugfähren sowie die Straßen- und Fußgängertunnel in Rendsburg können daher kostenlos benutzt werden. Das südlich des Kanals gelegene Osterrönfeld gehörte zu den Orten im Umfeld, die die Landverbindung zum Zentralort Stadt eingebüßt hatten. Das änderte sich mit dem Bau der Hochbrücke. Zwar hatte hier auch vorher kein Kanalübergang bestanden; weil Osterrönfeld aber den Bahnhof im Ortskern verlor – er fand einen neuen Platz fast zwei km entfernt am Brückenende – gelang es der Gemeinde, als „Wiedergutmachung“ bei der Kanalbauverwaltung eine Fährverbindung durchzusetzen.

Das war die Geburtsstunde der Schwebefähre, eines Unikums, das, wie die Hochbrücke, bis heute größte Aufmerksamkeit findet und für die Fahrgäste, die sie regelmäßig benutzen, um zur Arbeitsstätte oder zum Einkaufen nach Rendsburg zu gelangen, unentbehrlich geworden ist. Das Besondere: Die Fähre wurde direkt an der Eisenbahnhochbrücke aufgehängt, eine zu jener Zeit völlig neue und damals wie heute einmalige Technik. Es gab zwar schon „schwebende Fähren“, so seit 1909 über die Oste in Osten-Hemmoor im heutigen Landkreis Cuxhaven oder im spanischen Portugalete oder in England. Doch wie auch die zweite in Schleswig-Holstein bis 1923 auf der Kaiserlichen Werft in Kiel betriebene Schwebefähre waren alle an eine Extrakonstruktion angehängt. 

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